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Basement Jaxx
Crazy Itch Radio
Alben der Basement Jaxx sind Partys. Daran hat sich nichts geändert, seit sich das Duo aus London Ende 2000 mit dem Album „Remedy“ zum ersten Mal zu Wort meldete. Ansonsten ist so ziemlich alles anders geworden. Schon auf dem zweiten Album „Rooty“ war aus dem hysterischen Punk-House des Debütalbums ein kühner, schlauer Pop-Entwurf geworden, der nebenbei mal wieder deutlich machte, wie wenig zielführend Retro-Purismus und andere selbstgewählte Beschränkungen sind, wenn man wirklich etwas vorhat. „Rooty“ klang wie Prince mit Humor, so musikalisch, so clever und mindestens so groovig wie der kleine Mann aus Minneapolis in seinen erleuchtetsten Momenten. Darüber hinaus war die Platte sowohl Ballermann- als auch Pudelclub-kompatibel. Das muss man erstmal hinkriegen. Beim dritten Album „Kish Kash“ konnten Felix Buxton und Simon Ratcliffe mit prominenten Gästen aus unterschiedlichsten Ecken erstaunen, darunter Siouxsie Sioux, Dizzee Rascal und Meshell Ndegeocello. Künstlerisch war die Platte jedoch kein Fortschritt, sondern eher so etwas wie „Rootys“ hässliche kleine Schwester und insgesamt eine Enttäuschung. Dem kommerziellen Aufstieg der Gruppe in ihrer britischen Heimat schadete das jedoch nicht: Die Compilation „The Singles“ stieg dort vergangenes Jahr auf dem Spitzenlatz in die Charts ein. Im Sommer durften Basement Jaxx in großer Besetzung das Vorprogramm der Robbie-Williams-Tour bestreiten. Vielleicht haben sie diese Erlebnisse motiviert, bei „Crazy Itch Radio“ in Sachen Party-Tauglichkeit noch eine Schippe draufzulegen. Glücklicherweise haben sie aber auch ihren etwas hintersinnigen Pop-Witz wiedergefunden und sorgen ansonsten durch hohe Verdichtung und allerlei Stil-brechende Details dafür, dass die Stimmung nicht zu urgemütlich wird. Da pluckert auf einmal ein freundliches Banjo, da stößt plötzlich ein Bläserensemble vom Balkan ins Horn, dann schmettert noch ein Opernchor los und Gäste, Gäste, Gäste reichen sich das Mikro zu. Minimal ist das Gegenteil. „Crazy Itch Radio“ ist eigentlich wie eine Rundfunkshow konzipiert, mit lustigen kleinen Zwischeneinspielungen und Ansagen, aber es hat mehr die Charakteristik einer Superparty, einer jener Nächte, über die man noch Jahre später spricht, bei der sich wildfremde Menschen in den Armen liegen, Freundschaften fürs Leben geschlossen und in den Hinterzimmern womöglich Kinder gezeugt werden.
Bewertung: ****
Autor: Detlef Diederichsen
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