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Station 17
Mikroprofessor
Wohlwollend betrachte ich das gelungene Cover des neuen Station 17 Albums 'Mikroprofessor' und bin gespannt, ob es mich diesmal wieder so packt, wie beim Vorgängeralbum 'Hitparade'. Schon die ersten Klänge verraten, dass angeknüpft wird an Bewährtes, was mich schon mal beruhigt. Ja, klingt, wie immer: Diese lässige Kombination aus nüchterner Elektronik und der wundervollen Poesie der (geistig-)behinderten Mitglieder der Band, bilden für mich nach wie vor eine tolle Symbiose. Station 17 gibt es schon ziemlich lange. Gegründet wurde die Band bereits 1989 von behinderten und nichtbehinderten Musikern in Hamburg. Seit damals hat sich die Besetzung zwar regelmäßig geändert, aber dennoch haben die Mitglieder über die Jahre einen sehr eigenen Stil und Sound geprägt, der sich irgendwo zwischen Chaos, Pop und elektronischem Minimalismus abspielt. Mit politisch korrekter Sozialpädagogenattitüde hat das ganze herzlich wenig zu tun. Station 17 sind saucool und sie wissen es auch. Wenn die Herren zum Remixen ihrer Hits einladen, stehen die Kozes, Schamonis und Köhnkes dieser Welt Schlange. Ich höre weiter: es klickt, raschelt und knistert, die Bassdrum wummert und man hätte es lediglich mit einem weiteren, vielleicht etwas trägen Elektronikaalbum zu tun, wären da nicht diese Texte, die mich rühren, amüsieren, bewegen und die das Ganze zu einem Erlebnis machen. Das ist alles so aufrichtig, was dort von sich gegeben wird - sympathisch und liebevoll. Die Naivität, die damals in der 'Neuen Deutschen Welle' (wir erinnern uns nur ungern) in den meisten Fällen affig und künstlich rüberkam, hat hier Substanz. Hier setzt niemand etwas auf, oder verfolgt ein verkrampftes Konzept, sondern es wird engagiert erzählt, was gerade so anliegt: Geschichten über die Liebe, Fahrten in S-Bahnen, Arztbesuche oder über den hilfreichen 'Mikroprofessor' im Computer. An einigen Stellen wird es tiefsinnig, traurig oder absurd, und am schönsten finde ich es, wenn 'Prof. Hoss Becker' als Bademeister richtig sauer wird und immer wieder schreit: "Komm sooofort aus dem Wasser raus!!" und dazu kann man dann auch noch Tanzen. Ich kann daher auch dieses Album sehr empfehlen. Der einzige Grund, warum ich den Vorgänger noch etwas besser finde, liegt in der soundmäßig abwechslungs- und spannungsreicheren Bearbeitung der Songs. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es sich bei 'Hitparade' um ein Remixalbum handelt, bei dem das 'who is who' der deutschen Elektronikaszene angetreten ist, um die ohnehin schon tollen Songs zu veredeln, was dort fast lückenlos, teilweise grandios gelungen ist.
Und wenn Euch das noch nicht überzeugt, dann seht Euch Station 17 live an, spätestens dann haben sie Euch: Ganz große Popshow!!
Bewertung: ****
Autor: Nathali Delhaes
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